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Japanische Schutzohnmacht

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15 Jahre 11 Monate her #1098 von Sulmairs
Sulmairs erstellte das Thema Japanische Schutzohnmacht
Bei meiner diesmaligen Reise durch Japan wurde ich einmal mehr Beiwohner der für mich typisch japanischen selektiven Wahrnehmung. Nach dem Besuch des Tokyo Metropolitan Government Building mit vorausgehender Sicherheitsüberprüfung und Taschenkontrolle(wird gleich noch wichtig) besuchten wir unser Einkaufsmekka Akihabara. Kaum angekommen wollten wir uns ins Vergnügen stürzen und kamen ungefähr 5 Meter weit...
"Zivilfahnder, Personenkontrolle(wohl eher Ausländerkontrolle). Wer sind sie, woher kommen sie? (Deutschland, Pass ist im Hotel...) Was ist das in ihrer Hosentasche? (Taschenmesser) Zeigen sie mal her. Sehr beeindruckend, was zahlt man in Deutschland so dafür?. HmHmm, sehr interessant. Wussten sie, dass das mitführen von Messern in japanischen Innenstädten, speziell Akihabara, wegen eines Amoklaufes seit 2008 verboten ist?(Nö,kein Plan von garnix, die Wachleute in der Stadtverwaltung hat das Messer selbst nach vorzeigen und nachfragen auch nicht gestört) Nein? Können se froh sein, dass sie nicht Japaner sind, sonst wären sie jetzt im Knast gelandet.(Ist angekommen, ich packs ganz tief in meinen Rucksack). Dann noch viel Spaß beim einkaufen."

Daraus lernt man mal wieder das Gesetze in Japan eher sowas wie ein Kontinuum sind und die meisten lieber in einer Art Schutzohnmacht beide Augen zukneifen als sich und anderen "Unannehmlichkeiten" zu bereiten.
Wieder einen tiefen Einblick in die Kultur erlangt. Aber eine kleiner Hinweis im vorhinein wär auch ganz nett gewesen...
Aber wenigstens nicht im Knast ;)
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15 Jahre 11 Monate her #1101 von Roland1964
Aw: Japanische Schutzohnmacht
schöne Episode ... zeigt doch auch, dass die Japaner Unrecht haben: alle Menschen sind weltweit grenzüberschreitend die gleichen Bürokraten :-)
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15 Jahre 5 Monate her #1407 von CooKie_KO
Aw: Japanische Schutzohnmacht
Dieser Ausländerkontrollwahn ist mir auch widerfahren. Ich habe aber einen bisschen anderen Eindruck. Die Gesetze sind oftmals mehr als Richtlinien zu verstehen und ich finde den Umgang der Polizei damit eigentlich sehr angenehm bzw. vernünftig. Im Beispiel Messer: Ich war natürlich auch mit Messer unterwegs, weil ich es für meine Reise schlichtweg gebraucht habe, und ich habe gewusst dass es nicht erlaubt ist in Japan. Aber hier fängt es schon mal an, es ist ähnlich schwammig wie in Deutschland, denn es gibt die Einschränkung "wenn du es brauchst, dann ist es erlaubt". Ist tatsächlich so (in Deutschland natürlich konkreter formutliert als in Japan). Ich hatte auch mal nicht nur eine Kontrolle, sondern ein Problem mit der Polizei, musste aufs Revier wurde kontrolliert und das Messer haben sie natürlich erstmal an sich genommen, aber nach meiner Story haben sie eingesehen dass ich es brauche und haben es mir gegeben als sei es das normalste auf der Welt.
Die japanischen Gesetzen sind in vielen Punkten so. Der Beamte hat mehr Handlungsfreiheiten und kann die Gesetze der entsprechenden Situation angemessen anwenden. Und die Polizisten machen das auch in der Tat so. Es geht nicht darum, "Unannehmlichkeiten" zu finden, sondern mehr darum einfach dafür zu sorgen, dass alles geregelt läuft. Und wenn jemand durch Wälder streift, dann ist es völlig in Ordnung wenn er mit nem Taschenmesser rumläuft.

Dieser lockere und flexible Umgang mit Gesetzen oder Vorschriften ist mir mehrmals aufgefallen und vor allem ist mir auch aufgefallen, dass wenn es keine Berechtigung gibt dann durchaus durchgegriffen wird. Deshalb hab ich bzgl der Gesetze einen anderen Eindruck gewonnen.

Übrigens werden durchaus Ausländer in den Knast gesteckt, wegen einem Taschenmesser. Ist letztes oder vorletztes Jahr im Herbst passiert. War glaub ich ein Brite.